Wenn ARFID bei Kindern festgestellt wird, also sie nicht genug oder nur sehr wenige Lebensmittel essen, ist das meist ein großer Stressfaktor für Eltern. Als Eltern sehen wir es als eine unserer zentralen Aufgaben an, unser Kind zu versorgen. Wenn das nicht klappt, geraten wir schnell unter Druck. Das ist total verständlich, kann aber auf Dauer auch sehr belastend sein.
Thank you for reading this post, don't forget to subscribe!Viele Eltern sind zudem auch starkem Druck von „außen“ ausgesetzt: Großeltern, Freunde, die Kita oder Schule – alle erwarten von uns das Problem so schnell wie möglich in den Griff bekommen. Manche Familien erhalten viel Unterstützung im Umfeld, aber nicht alle zeigen Verständnis für diese Problematik. Oft sind Eltern somit sehr viel Druck ausgesetzt – dem eigenen, den man sich selber macht und dem von außen, aus dem Umfeld.
Was kann man also tun, damit man gut durch diese fordernde Zeit durchkommt?
Druck von innen bei ARFID bei Kindern
Wenn ARFID bei unserm Kind diagnostiziert wurde oder es als Picky-Eater gilt, machen wir uns selbst viel Druck, da wir verständlicherweise möchten, dass das Problem möglichst schnell gelöst wird und wir uns viele Sorgen machen.
Druck, der in uns selber entsteht, fokussiert uns auf das Essproblem. Wir machen uns dann permanent Sorgen wie: “Das ist eine Katastrophe“, „Ich muss das endlich in den Griff bekommen“ „Das muss aufhören, das Kind muss doch was essen”, „Wenn das so weiter geht verhungert sie noch“, „Wie soll das werden, wenn er älter ist?!“ und ähnliche Gedanken.
Sich sorgen fühlt sich manchmal so an, als würde man das Problem dabei lösen, das ist aber das Trügerische an Sorgen. Sorgen lösen gar nichts. Sie lösen aber etwas aus, nämlich noch mehr Sorgen, Ängste und andere schlechtere Gefühle. Sorgen abzustellen ist gar nicht so leicht. Man kann nicht einfach damit aufhören, nur weil man es möchte.
Trotzdem ist man ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Man kann sie eingrenzen. Z.B. mit einer „Sorgensprechstunde“ die man selber 5 Minuten ab Tag für sich abhält. In diesem festgelegten Zeitraum widmet man sich den Sorgen für einen begrenzten Zeitraum (nicht kurz vor dem Schlafen). Außerhalb dieser „Sprechstunde“ verschiebt man sie dorthin. Es ist deutlich leichter Sorgen zu verschieben, als sie zu unterdrücken.
Zweitens ist es hilfreich sich auf die Lösung zu fokussieren, statt auf das Problem. Frage dich daher: Was kann ich als nächsten Schritt tun, um unsere Lage zu verbessern? Wie gehe ich das an? Wer hilft mir dabei? Sei konkret und lösungsorientiert. Mache dir einen Plan. Wenn sich dann „Herr Sorge“ (oder Frau Sorge) wieder meldet und dir einreden will, dass diese Maßnahme doch sicher auch nichts bringt, verschiebe diesen Gedanken auf einen Termin in deiner „Sorgensprechstunde“ und bleib weiter bei der Lösung. Geh es an! Schritt für Schritt.
Und wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, kannst du dich gerne an uns wenden und ein kostenloses Beratungsgespräch vereinbaren, um dich zu sortieren.
Wenn du einen konkreten Ablaufplan möchtest, kannst du unseren Onlinekurs für Eltern mit einem „Picky Eater“ oder ARFID-Kind nutzen und unser zugehöriges Workbook verwenden, um in deinem Tempo das Essverhalten deines Kindes zu verbessern.

Druck von außen bei ARFID bei Kindern
Es ist leichter gesagt als getan, aber: Lass dich nicht verrückt machen, wenn ARFID bei deinem Kind festgestellt wurde. Du kennst dein Kind und du entscheidest wie mit dem Essverhalten deines Kindes umgegangen wird. Nicht der Opa, nicht die Nachbarin, nicht die Tante. Sondern ihr als Eltern. Natürlich könnt ihr Tipps von anderen annehmen, wenn ihr sie sinnvoll findet und der Person vertraut. Dann ist das sogar eine gute Idee. Wenn euch die Ratschläge im Familien- oder Bekantenkreis aber falsch vorkommen, euch unter Druck setzen oder verunsichern und ihr dann immer wieder zweifelt was richtig ist, entscheidet euch für eure eigene Einschätzung. Und holt euch Hilfe von Profis mit Erfahrung. Wenn euer Kind eine ARFID-Diagnose hat, braucht es ohnehin eine richtige Behandlung.
Viele Erzieherinnen und Lehrkräfte kennen diese Diagnose „ARFID bei Kindern“ nicht, weil es in ihrer Ausbildung nicht Thema war und denken dann vielleicht, dass das Kind einfach mäkelig ist oder die Eltern das total überproblematisieren.
Aber auch andere Personen im Umfeld äußern sich vielleicht kritisch über das Essverhalten eures Kindes. Kennt ihr das auch? Wir werden oft gefragt, was man dann sagen kann, damit andere das besser verstehen und einordnen können. Auch deshalb empfehlen wir immer eine Diagnostik zu machen. Denn dann kann man sagen, dass eine medizinische Fachkraft eine offizielle WHO-Diagnose gestellt hat. Damit wird klar, dass man sich das Problem als Eltern nicht ausdenkt oder maßlos übertreibt. Und auch dass nicht jeder wild am Kind „herumdoktern“ sollte, weil das Problem vielleicht doch ganz leicht zu beheben ist.
Ihr müsst natürlich selber entscheiden, ob ihr das alles so offenlegen wollt. Denn nur weil ein Kind eine Diagnose hat ist man nicht verpflichtet diese Diagnose irgendwie zu „melden” oder allen zu erzählen. Meist empfiehlt sich jedoch zumindest zu sagen, dass es ein medizinisches Thema ist und man in Behandlung ist, da es dann einfach ernster genommen wird. Ein weiterer Vorteil einer Diagnose ist nämlich auch, dass man dann auch eine Behandlung fürs Kind bekommen kann.
Man braucht nicht selten ein dickes Fell, wenn das Kind mit einer weniger bekannten Diagnose wie ARFID zu kämpfen hat. Das ist nicht leicht. Aber: Ihr müsst da nicht alleine durch.
Hier findet ihr immer wieder Tipps, Materialien und Anlaufstellen, die euch auf eurer ARFID-Reise unterstützen. Lass es uns gemeinsam angehen. Und vor allem: Lass dich nicht unterkriegen!